Auf ein Wort (verfasst von P. Nagel)

Jesus: Wegweiser in Krisenzeiten

„Ich denke mal alle, die in sozialen Netzwerken unterwegs sind – auf Twitter, Facebook – die werden mal einen Post oder einen Tweet gelesen haben in letzter Zeit: ‚Ich kann nicht erwarten, dass das Jahr 2020 vorbei ist.‘ ‚Ein ätzendes Jahr.‘“ (Markus Spieker im YouTube-Vortrag ‚Jesus: Eine Richtigstellung‘)

Während sich große Teile der Bevölkerung zum Beispiel finanziell nur noch schwer über Wasser halten können, profitieren bestimmte Kreise stärker denn je auch finanziell von der globalen Situation.

Was für manche wie eine Beschreibung der Situation im Jahr 2020 klingen mag, (dem Jahr, in dem beispielsweise der Amazon-Chef allein an einem einzigen Tag 13 Milliarden Dollar verdiente,) das trifft eins zu eins auf die Zeit zu, als ein Zimmermann am Rande eines globalen Systems der Ungleichheit ein kurzes, aber folgenreiches Leben führte (zu einer Zeit, in der sich römische Bürgermeister 400 Sklaven hielten, während der überwiegende Teil der unterworfenen Bevölkerung im Imperium den Wohlstand der oberen Zehntausend sichern musste).

Was sollte in solch einer Situation – ob damals oder heute –, das Leben eines Zimmermanns schon an Kraft entwickeln können? Was verändern – und sei es nur für einen selbst?

Lassen wir uns im Advent 2020 dazu einladen, uns neu mit diesem Einen auseinanderzusetzen, der gegen alle Wahrscheinlichkeit Geschichte machte, obwohl seine Lebensgeschichte mit gut 30 Jahren endete. Der mehr Leser hat als irgendein Autor der Welt, obwohl er selbst nie eine einzige Zeile aufgeschrieben hat.

Hier begegnet uns einer, der weder seine eigene Ehre suchte, noch verträumt sein besinnliches Glück. Der bereit war Menschen und Strukturen zu konfrontieren unter Inkaufnahme harter Konsequenzen für sich selbst. Einer, der einerseits sogar Mitmenschen, die von der Gesellschaft abgeschriebenen waren, erleben ließ, dass er sie höher achtete als sich selbst. Der andererseits aber durch das, was er sagte und tat, bei scharfsinnigen Zeitgenossen den Vorwurf provozierte, er würde sich an Gottes Stelle setzen.

Und damals wie heute stellt er uns, wenn wir Menschen uns Zeit für ihn nehmen, eine Frage, die aus seiner Sicht entscheidender ist für unser privates Leben und unsere ganze Welt, als wir vielleicht ahnen: „Für wen haltet Ihr mich?“ (Mk 8,29)

 

Patrick Nagel
Liebe Leserinnen, liebe Leser, wofür nehmen wir uns Zeit in dieser Advents- und Weihnachtszeit im ausklingenden Jahr 2020?
Den modernen Analysemethoden zufolge (die denen aus der Zeit, als ein Gebot von Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt sich zählen lasse, in nichts nachstehen) werden sich die meisten von uns Zeit nehmen für Shoppingtouren bei Onlineriesen. Oder vielleicht doch für eine „Randgestalt“, die spannenderweise auch nach 2000 Jahren immer noch nicht abgeschrieben ist? Weihnachten jedenfalls, steht dafür, dass Gott uns auch nach tausenden Jahren wechselvoller Menschheitsgeschichte nicht abgeschrieben hat und von seiner Seite aus bereit wäre, sich ganz auf uns einzulassen!
 

Eine im buchstäblichen Sinne be-sinn-liche Zeit wünscht Ihnen

Ihr Patrick Nagel, Pfarrer in Dentlein und Sprengel Vb Feuchtwangen.

PS:

YouTube-Tipp: Jesus. Eine Richtigstellung

Mein Buchtipp für diese Advents- und Weihnachtszeit: „Jesus. Eine Weltgeschichte“ – von Markus Spieker.